Informationen der BI Berliner Schnauze zur geplanten Sperrung des Auslaufgebietes Schlachtensee durch die Grünen

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Informationen der Bürgerinitiative „Berliner- Schnauze“ zum Beschluß des Bezirksamtes Zehlendorf-Steglitz,  alle Uferwege rund um den Schlachtensee und die Krumme Lanke ab 15. Mai 2015 komplett für Hundehalter-Innen zu sperren.

Nach § 25, Abs. 1 des Berliner Wassergesetzes fällt die Nutzung der Grunewaldseen unter den Gemeingebrauch, der auch das Tränken und Baden von Hunden grundsätzlich erlaubt.

Dieser Paragraph wurde ohne Bürgerbeteiligung um einen Abs. 6 erweitert , der die nahezu willkürliche Einschränkung oder ein Verbot der Nutzung der Seen durch einfache Anordnung seitens der Senatsverwaltung legitimiert. Wir halten das für ungesetzlich.

Ein See kann der EU als Badesee gemeldet werden, wenn bestimmte Merkmale der Wasserqualität erfüllt sind. Allerdings muss eine solche Meldung nicht erfolgen. Wir sehen keinerlei Veranlassung, dies zu tun und fordern den Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz auf,  diese Meldung zurückzuziehen.

Der EU wurde bei der Einstufung der Seen als Badeseen nicht mitgeteilt, dass in den Schlachtensee bei Starkregen Einleitungen von Regenwässern aus den Straßengullis stattfinden und daher die Wasserqualität stark differiert.

Außerdem sind wir der Meinung:

Zu jedem Hund gehören 2-3 Menschen. D.h.: mindestens 10 % der Berliner werden zu Menschen 2. Klasse degradiert, indem ihnen ein Platzverbot an den Seen erteilt wird.  Hunde sind Familienmitglieder und gehören zu den Menschen.

Niemand hat das Recht, diese Menschen auszugrenzen !

Ältere, geh-  oder sehbehinderte Menschen mit Hund, und Eltern mit Kinderwagen und Hund sollen nur noch die unbefestigten, unebenen Wege im Wald benutzen, wo sich zudem keine Bänke zum Ausruhen befinden. Das birgt eine Unfallgefahr und stellt ebenso eine Ausgrenzung dar. Das ist unverantwortlich..

Das große Berliner Hundeauslaufgebiet im Grunewald wurde seinerzeit gerade extra um die Seen herum angelegt, weil Hunde nicht schwitzen können. Sie regulieren ihre Körpertemperatur nur durch Hecheln. Dazu aber brauchen sie Wasser zum Trinken, bei großer Hitze auch zur körperlichen Abkühlung.

„Zu einer zielgerechten Hundehaltung, wie sie im Tierschutzgesetz gefordert ist, gehört auch die Ermöglichung  der artgemäßen Bewegung. Neben der Möglichkeit, sich ohne Leine frei im Gelände... bewegen zu können, besteht bei Hunden individuell und rassebedingt im unterschiedlichen Maße das Bedürfnis, Gewässer schwimmend oder badend zu nutzen.“ ( Schreiben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz v. 8.12.1995).

Wir fordern, dass dieser tierschutzrelevante Punkt auch weiterhin berücksichtigt wird.

Der ADAC hat in einer Studie über die Wasserqualität der Krummen Lanke 2013 festgestellt hat, dass die Qualität am Badestrand Nordufer, also dort, wo die Hunde schwimmen gehen, mit der bestmöglichen Note A ++ ( sehr gut) ausgezeichnet wurde. Am Südufer hingegen, wo Leinenzwang und Badeverbot für Hunde gelten, wurde lediglich mit der Note „ausreichend“ bewertet..

An der Theorie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Hunde würden das Wasser verschmutzen, stimmt also etwas nicht. (ADAC Webseite).

Auch ihre Aussage der EU gegenüber, die Wasserqualität sei überall ausgezeichnet, ist nicht zutreffend.

Wir verweisen außerdem auf o.g. Schreiben: „Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Gesundheit ist zum hygienischen Aspekt zu sagen, dass durch Hunde kaum eine Verunreinigung des Wassers mit Kot oder Urin erfolgen wird. Für Hunde stellt das Absetzen von Kot und Urin neben der reinen Stoffwechselleistung als wesentlichen Faktor einen Markierungsvorgang dar.  Im Wasser wäre eine Reviermarkierung nutzlos und ist daher im Verhaltensrepertoire der Hunde auch nicht angelegt.

Von Fachleuten wird seit Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass keine gesundheitliche Gefährdung von Kindern durch Hunde besteht! Wir zitieren abermals: “Die Senatsverwaltung für Gesundheit sieht daher keinen hygienisch zu begründenden Anlass,  das Baden von Hunden in freien Gewässern zu verbieten. Es sei bisher kein Fall bekannt geworden, dass Menschen durch das gemeinsame Baden mit Hunden irgendwelche gesundheitlichen Beeinträchtigungen davongetragen haben .“

Gemeinsames Baden mit Hund schadet also niemandem.

Es wird behauptet, immer wieder würden Menschen von Hunden angegriffen. Der zuständigen Amtveterinärin sind allerdings keinerlei diesbezügliche Vorfälle bekannt.

Es wird behauptet, es würden sich massenhaft Menschen über die Hunde am Schlachtensee beschweren.

Der Leiter des Ordnungsamtes Zehlendorf konnte uns allerdings nur einen mickerigen  Ordner mit wenigen Seiten Papier, also geschätzten 5 oder 6 Briefen zeigen.

Im übrigen haben wir  bereits eine Kompromißlösung, da eine Hälfte der Uferwege , also mehr als 4 km Länge, mit Leinenzwang belegt ist ! Jeder kann nach seinem Wunsch entscheiden, ob er in Gesellschaft von  freilaufenden Hunden laufen möchte oder nicht.  Am  gesamten  Südufer des Schlachtensees und der Krummen Lanke gehen die Hunde nicht ins Wasser, so dass es genügend hundefreie Badestellen gibt.

Viele Frauen ohne Hund kommen nur deshalb zum Schlachtensee und zur Krummen Lanke, um zu baden oder spazieren zu gehen, weil sie wissen, dass dort immer Hundehalter und Hundehalterinnen unterwegs sind. So fühlen sie sich beschützt.

Hunde haben auch eine Schutzfunktion !

Was sollen in Zukunft  Familien mit Kindern und Hund machen, die zum Baden an die Seen kommen oder einen Spaziergang um den See machen wollen ? Den Kindern sagen, dass sie an den Seen in Berlin nicht erwünscht sind, wenn Waldi, ihr geliebter Hund, dabei ist ? Oder Fifi allein zu Haus ? Oder einer mit dem Hund im Wald und die anderen unten am See ? Wir haben eine andere Vorstellung von Familienleben mit Hund !

Um  von Zehlendorf zu Fuß ins Auslaufgebiet am Grunewaldsee zu kommen, wenn die Brücke an der Krummen Lanke für HundehalterInnen gesperrt ist , müssen die Menschen einen Umweg von über 2 km machen.  Für ältere Mitbürger-Innen, für Rollstuhlfahrer, für Gehbehinderte ist das eine Zumutung.  Sollen wir jetzt die Hunde tragen ? Oder in einem Bollerwagen hinter uns her ziehen ?

Unsere (?) Politiker-Innen haben  so wenig Vertrauen in die Selbstregulierungskräfte einer Gesellschaft , dass sie meinen, immer  schärfere Verordnungen und Gesetze beschließen zu müssen. Sie glauben offenbar,  mit  immer mehr Ordnungsamts-mitarbeitern und immer mehr Bußgeldern  regieren zu müssen, obwohl sich mindestens 98 % aller Hundehalter und Hundehalterinnen freundlich, rücksichtsvoll und gesetzestreu verhalten ! Wir fordern sachlich vernünftige Lösungen anstatt Überwachungsstaat.

Wenn  die Uferwege am Schlachtensee und der Krummen Lanke für Hundehalter gesperrt werden, kommt es zu einer noch größeren Verdichtung am Grunewaldsee, der ohnehin schon hoffnungslos überlaufen ist. Die Lösung besteht nicht in einer immer schärferen Drangsalierung der Hundehalter-Innen, die immerhin – ganz nebenbei bemerkt – über 10 Millionen Euro allein nur an Hundesteuer zahlen (der Anteil indirekter Steuer aufgrund der Hundehaltung dürfte noch darüber liegen) – sondern in der  Schaffung weiterer Freilaufgebiete in ganz Berlin und auch in Zehlendorf-Wilmersdorf.  Mit etwas gutem Willen ließe sich da viel machen. Wir arbeiten gern an einem Konzept mit.

Das Konzept, jeder solle seinen Müll wieder mit nach Hause nehmen, funktioniert ganz offensichtlich nicht . Mal ganz abgesehen davon, dass es eine Zumutung ist, eine Plastiktüte mit Hundekot um den ganzen See zu tragen,  findet sich im Sommer auch von den sonstigen Besuchern ohne Hund überall an den Ufern Müll,  benutzte Einweggrills, Essensreste, Babywindeln, Tüten, benutzte Kondome, scharfkantige Blechbüchsen, Glasflaschen, Scherben usw. Letztere  werden wegen der Verletzungsgefahr regelmäßig von Hundehaltern eingesammelt.

Es wäre dringend angebracht, endlich wieder Papierkörbe aufzustellen .

Der Argumentation der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung folgend, müssten also die Seen und Uferwege   ausnahmslos für  alle Menschen gesperrt werden. (Landschaftsschutz, Beeinträchtigung der Allgemeinheit, ordnungsgemäßer Zustand der Ufer etc.).  

In jeder Apothekenzeitung und in jeder Gesundheitssendung erfahren wir, wie wichtig Bewegung für den Menschen ist. Sollte es dann nicht für einen verantwortungsbewußten Politiker ein Ziel sein, die Hundehaltung in der Stadt zu fördern, anstatt sie immer unattraktiver werden zu lassen. Hundehalter sind nachweislich signifikant weniger krank. Außerdem wissen wir, dass Familien mit Hund weniger konfliktbelastet sind. Alleinstehende mit Hund sind weniger depressionsgefährdet. In einem Land, in dem sich täglich 60 Menschen das Leben nehmen und wöchentlich 2 Kinder von den eigenen Eltern umgebracht werden, sind auch diese Argumente nicht unerheblich, womit wir uns den wirklichen Problemen dieser Gesellschaft nähern !

Der Hund ist ein Kulturgut, seit Jahrhunderten fester Bestandteil dieser Gesellschaft. Eine Touristenattraktion in Berlin. Ein Pfund, mit dem wir wuchern könnten, anstatt es in den Hinterwald zu verbannen. Von der Hundebadestelle am Grunewaldsee gehen Fotos in die ganze Welt. Statt Disney-World ein FIFI-Land, das wär doch mal was! Mit Welpen-Spielwiesen, Agility-Parcours, Bänken zum Hinsetzen und Zuschauen, Abfallkörben, etc... Einmalig in der ganzen Welt.

Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass hier Klientelpolitik betrieben wird, die an den Interessen der aus Kreuzberg und Friedrichshain nach Zehlendorf gezogenen gutbetuchten Neubürger ausgerichtet wird. (Prenzlauer-Berg-Verdrängungs-Effekt). Ungestört um den ganzen See joggen, mit dem Mountainbike um den See brettern – da stören die Hunde und ihre Halter-Innen. Von den Alt-Eingesessenen wurde nie eine derartige Haltung am Schlachtensee oder der Krummen Lanke gegen Hunde wahrgenommen. Die Neuankömmlinge verhalten sich oft extrem aggressiv und ungebührlich den Hundehalter-Innen gegenüber.

Wir fordern die Parteien auf, sich auf das große Ganze zu besinnen und sich nicht zum Steigbügelhalter von Politikern zu machen, die  eine vielfältige bunte friedliche Gesellschaft  mit unsinnigen Regulierungen zu zerschlagen versucht und Menschen gegeneinander aufhetzt.  

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